| "German microbudget spoof '18.15 from Ostkreuz' reps a trannie-tastic, deeply silly rework of the oft-filmed Agatha Christie mystery '4.50 from Paddington'. Dominatrix manager Gisela Drache (Bob Schneider, fabulous)." Variety, Leslie Felperin, 15.02.06 Eine in Schwarz-Weiß gedrehte Miss-Marple-Parodie, bei der Ades Zabel in der Rolle der Karin Höhne brilliert. Sergej 4/06 Jörn Hartmann inszeniert den verwicklungsreichen Fall ganz in der Tradition Agatha Christies (...). Siegessäule 4/06 "Ein Film in "Wixxer"-Tradition." Siegessäule 02/06 "Miss Marple aus Haselhorst: Karin Höhne zitiert bei ihren Recherchen, die sie ins Wilmersdorfer Friseur-Milieu führen, aus allen vier Miss-Marple-Filmen, die Margaret Rutherford in den 60er Jahren gedreht hat." Tagesspiegel, Matthias Oloew, 11.02.06 "Eine Auszeichnung für das schlechteste Alters-Make-up der Berlinale ist Zabel in dieser haarsträubenden Liebkosung der alten Agatha- Christie- Verfilmungen schon jetzt sicher." Tip Berlin, Februar 2006 (...) trotz hochkarätiger Besetzung (u.a. Andreja Schneider, Dieter Bach) (eine) Farce. Männer Aktuell 4/06 Angelehnt an den Titelpaten „16 Uhr 50 ab Paddington“, spinnt das muntere Ensemble eine liebevolle Farce über Mord und Totschlag, die in einschlägigen Tuntentheatern zur Karnevalszeit wahrscheinlich Blockbuster-Potenzial entfaltet. Andere Zielgruppen zu anderen Jahreszeiten dürfte das bedingungs- lose Wohlgefallen schon etwas schwerer fallen. Dennoch besitzt „18.15 Uhr ab Ostkreuz“ Qualitäten über den Camp-Faktor (Kostüme, Perücken und Make-up sind wahrlich exzeptionell) hinaus. An erster Stelle wäre die Schwarz- weiß-Kamera von Torsten Falk zu nennen, der trotz No-Budget ein Marplesches Krimi-Flair in die unmissverständlich unsägliche Posse zaubert. Ades Zabel schafft es hier und da, die eigentlich unnachahmliche Rutherfordsche Mimik zu imitieren, und der klassische Showdown mit der wort- und wendungsreichen Auflösung des Verbrechens in Gegenwart aller Verdächtigen hätte einem zweitklassigen Buch von Agatha Christie zur Ehre gereicht. War „Mutti – Der Film“ noch eher anstrengend, ist „18.15 Uhr ab Ostkreuz“ ein Fortschritt in Richtung B-Picture. filmdienst So eine S-Bahn-Fahrt wird am Potsdamer Platz dieser Tage schon mal zum Abenteuertrip, auch ohne Pendelverkehr. Da kann der Fahrgast etwa erleben, wie eine Frau im entgegenkommenden Zug von einem Axtmörder zerlegt wird. Ha, Columbiaclub, konnten die Berliner Zuschauer etwa triumphieren, wenn es ihnen gelungen ist, den Hauptdrehort des Tuntenkrimis '18.15 Uhr ab Ostkreuz' zu identifizieren. Dafür hat man den Club tatsächlich in einen Frisörsalon verwandelt. Solche Stadtansichten können einen dann durch den bedingt lustigen Film retten, in dem der Kleinkünstler Ades Zabel als Miss-Marple-Verschnitt versucht, den (...) S-Bahn-Axtmord aufzuklären." Berliner Zeitung, Brenda Strohmeier, 16.02.06 Regisseur Jörn Hartmann hat, wie er zur Premiere seines Streifens in Berlin zugab, die Miss Marple-Filme mit Margaret Rutherford in seiner Jugend geliebt. Die trashige Parodie ist deshalb auch eindeutig als Liebeserklärung zu betrach- ten. In schwarz-weiß gedreht, mit einem Soundtrack, der an Ron Goodwins Hammondorgel-Vorlage erinnert, und mit vielen Szenen, die dem Original ent- stammen könnten, ist das Flair, das die vier alten Streifen aus den Sechziger Jahren haben, brilliant imitiert. Das ist schon der halbe Spaß. Ades Zabel lässt in der Low Budget-Produktion wie bereits im Film "Mutti" alle anderen Darsteller blass aussehen. Und einige Kritiker haben bereits die Niveaulosigkeit der Gags bemängelt. Aber auf all das kommt es gar nicht an. Die Truppe, die sonst auch als Teufelsberger-Produktion bekannt ist, spielt nicht besser oder schlechter als sonst auch bei ihren Improvisations-Shows auf den Berliner Off-Kulturbühnen. Sie spielen aber mit unbändiger Lust und Mut zu schlechtem Make Up und doofen Witzen. Queercom, Christian Scheuß, 4/2006 "18.15 Uhr ab Ostbahnhof" ist zu brav, um witzig zu sein Ades Zabel gewinnt den Margaret-Rutherford-look-alike-Preis. Wenigstens von weitem. Er spielt aber nicht die bekannteste Rolle der britischen Schauspielerin, also nicht Miss Marple, sondern die Grundschullehrerin Karin Höhne. Die aller- dings erlebt in Berlin ähnliche Abenteuer wie die englische Hobby-Detektivin: Sie beobachtet einen Mord in einer vorbeifahrenden S-Bahn und macht sich selbst auf die Suche nach dem Täter, weil ein unwilliger Kommissar nicht ein- greifen will. Die Spuren führen zu einem Frisiersalon mit einer Hand voll Tatver- dächtiger. Der Regisseur Jörn Hartmann schwelgt in "18.15 Uhr ab Ostkreuz" in Zitaten aus Miss-Marple-Filmen. Die Parodie kommt aber nicht richtig in Fahrt, weil es an witzigen Einfällen und Dialogen fehlt. Zu tief ist die Verbeugung von Regisseur und Team vor den Filmen aus den 1960er Jahren. Viele der bekannten Szenen werden - mit leichten Übertreibungen - einfach nachgespielt. Karin Höhne in Bahn-Uniform an den Gleisen auf der Suche nach einer Leiche, zu Hause mit einem Chemiebaukasten und nachts in Tabuzonen schnüffelnd. Nur die ver- räterische Spieldose aus "16 Uhr 50 ab Paddington" fehlt. Für den Zuschauer besteht der Spaß allenfalls darin zu erraten, welches Zitat aus welchem Klas- siker stammt. Hartmann wollte die Miss Marple-Filme nicht durch den Kakao ziehen und verzichtete auf allzu flache Gags. Leider bietet er dem Publikum aber auch keine anderen Lacher. Dass ein Mann in Frauenkleidern die Hauptrolle spielt, ist an sich noch nicht komisch. Die Marple-Krimis hingegen nahmen sich in bester britischer Tradition stets selbst ein wenig auf den Arm. Margaret Rutherford als runzlige und runde Jane Marple persiflierte sämtliche Erwa- rtungen an eine schneidige Detektivin. Zudem schlüpfte sie für die Ermittlungen in drollig unpassende Rollen und war Zimmermädchen, passionierte Reiterin oder Schauspielerin, die eine Detektivin mimt. Hartmanns Parodie einer Parodie funktioniert nicht. Erst zum Schluss, wenn sich der Film behutsam von seinen Vorlagen trennt, wird es unterhaltend. Dann dürfen Zabel & Co so unfassbar skurril werden, wie man es von den Berliner Trash-Comedy-Transen kennt. Hartgesottene Zabel- und Miss-Marple-Fans, die wild entschlossen sind, den Film gut zu finden, werden dennoch ihren Spaß haben. Berliner Zeitung, Ruprecht Hammerschmidt, 6.4.2006 In 18.15 Uhr ab Ostkreuz hat sich der verwandlungsfreudige Kleinkunst- Entertainer Ades Zabel die Rutherford’schen Tränensäcke angeklebt. Mit diesen beiden grotesken Latex-Lappen endet auch schon die Ähnlichkeit zur 1892 in London geborenen Darstellerin, die – genau wie Agatha Christie – vom englischen Königshaus den Ehrentitel „Dame“ verliehen bekommen hatte. Hinter den Weiblichkeiten des Berliner Low-Budget-Werkes stecken zumeist kräftige Männer. Ades Zabel schlüpft in die Rolle der schon aus seinen Bühnenprogrammen bekannten Karin Höhne aus Berlin-Haselhorst. Die pensionierte Grundschullehrerin wird Zeugin eines Axtmordes in der S-Bahn und stürzt sich mit ihrer besten Freundin Rosa Brathuhn (Andreja Schneider, Mitglied der Comedy-Gruppe „Geschwister Pfister“) in die Nachforschungen, die sie bald in den Wilmersdorfer Frisiersalon „Brüller“ führen. Frau Höhne bewirbt sich um einen Ausbildungsplatz zur Frisurenfachgestalterin, um verdeckt ermitteln zu können. Dafür ist die Seniorin eigentlich zu alt, aber dank ihrer orgiastischen Shampoonierkünste bekommt sie den Job im Laden von Horst Brüller (Pedro Sobisch) und SM-Geschäftsführerin Gisela Drache (Bob Schneider). Bald gibt es weitere Tote, eine vergiftete Marlene-Dietrich-Perücke und derart ver- worrene Familienverhältnisse, dass sich die Auflösung nur mit Anstrengung nachvollziehen lässt. Aber das Verlangen nach logischer Beweisführung wird es auch nicht sein, das Zuschauer in die Schwarz-Weiß-Hommage locken dürfte. Eine ausgeprägte Vorliebe für Trash sollte man schon mitbringen, um über die Zusammenhänge zwischen schlampig ausgeführter Geschlechtsumwandlung und Flatulenzen, über notorisch platten Wortwitz oder liebevoll scheußlich gestaltete Frisuren lachen zu können. Da trägt Karin Höhne aus unerfindlichen Gründen während des gesamten Films die hochstehende Sperma-Locke aus Verrückt nach Mary (All about Mary, 1998), und die bevorstehende Coiffeurmesse heißt „Schnippel Dir einen“. Die Produktion hätte zusätzlich einen Preis für das schlechteste Bröckel-Make-up verdient, das auf dem hochauflösenden HD-Videomaterial besonders zur Geltung kommt. 18.15 Uhr ab Ostkreuz ist nach Mutti – Der Film (2003) Jörn Hartmanns zweites Kinowerk. Erneut entsteht der abseitige Reiz der 80.000 Euro teuren, mit Genrezitaten gespickten Miss Marple-Interpretation weniger durch die arg zusammengeschusterte Handlung, sondern durch die sichtbare Leidenschaft der Akteure sowie einzelne Pointen und Nebenfiguren wie etwa Irmgard Knef (Ulrich Michael Heissig) in einem fast ehrfürchtigen Kurzauftritt oder die türkische Friseuse Hürryet Lachmann, die Ades Zabel in einer Doppelrolle mit orientalischer Löwenmähne und reichlich Lipgloss gibt. Überhaupt Zabel. Der ehemalige Filmvorführer und Herrenkonfektions- verkäufer im KaDeWe hat sich vor allem durch seine Varieté-Auftritte als trinkfreudige Neuköllner Hausfrau Edith Schröder eine treue Fangemeinde aufgebaut. Programmtitel wie Edith Schröder Superstar (2003), Blond in Neukölln (2004) oder Wenn Ediths Glocken läuten (2005) sprechen für sich. Die Bühnenpräsenz und der spontane Humor des Mannes mit der großen Nase lassen sich allerdings nicht eins zu eins auf die Leinwand übertragen. Auch ist Ex-Tuschlehrerin Karin Höhne noch das „biederste“ von Zabels Alter egos, fehlt ihr doch – wie Miss Marple – ein wüstes Leben unterhalb der Gürtellinie. Während einer Szene schwitzt Hobbydetektivin Höhne neben der ebenfalls durch Alters-Make-up entstellten Rosa Brathuhn in der Sauna – aber beide sind von oben bis unten in Handtücher gehüllt. Mit Edith Schröders sagenhaftem Ganzkörper-Nacktkostüm können es die greisen Damen also nicht aufnehmen. Einen Ehrentitel als Trash-Perlen haben sie sich dennoch redlich verdient. Transen, Transsexualität und die berühmteste Privatermittlerin des britischen Der Regisseur: Jörn Hartmann ("Mutti - Der Film") erweist mit seinem Tunten- Auf dem Weg zum Kaffeekränzchen in Berlin-Glienicke beobachtet sie in der Für den Rest bleiben die unzähligen Agatha-Christie-Zitate, allen voran Das ist nicht abendfüllend, aber zumindest eigensinnig. Ganz im Gegensatz zu Hamburger Abendblatt, Sabine Danek, 18.05. 2006
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